Herausforderung ANGST

15. September 2010 Kurzgeschichten

Hallo alle zusammen,

hier teile ich mit euch ein kleine Anekdote zum Thema Angst, die ich auf meiner Indienreise erlebt habe. Viel Spaß damit 😉

Während meines Indienaufenthaltes hatte ich durchaus die ein oder andere skurile Begegnung, die mich herausforderte meine Ängste zu überwinden.
Generell lautete mein Motto für diesen ganzen Wahnsinnstrip – ich hatte nichts im Voraus geplant, wollte mich ganz auf mein Bauchgefühl verlassen: “ Wenn’s mir hier zu blöd wird, kann ich ja wieder nach Hause“, doch oft genug gab es Situationen, wo es „keine Flucht, kein Entkommen, kein schnell nach Hause“ in dem Sinne gab. Nein – ich musste mich der KONFRONTATION stellen …. autsch 🙂

Einen Zeitraum von vier Wochen verbrachte in einem idyllischen Bergdorf im Himalaya. Ich bewohnte ein wunderbar sauberes Zimmer, hinterm Boiler nisteten die Vögel, aus dem Kleiderschrank flogen Schmetterlinge, Affen klauten das Essen aus dem Kühlschrank usw. …

Als ich eines Nachts im Dunkeln nach Hause kam, Strom war eine Rarität, nachts sorgte lediglich der reine Kerzenschein für Licht und dann entdeckte ich SIE – diese RIEEEEEEEEESEN SPINNE in meinem Zimmer – igitt … nicht zum aushalten! Das eine Fußende der Spinne würde bis zum anderen eine Spanne von 20cm aufweisen. Also diese Tier war definitiv zu groß um gleichzeitig mit mir die Nacht in einem Raum zu verbringen.  Spinnen, waren noch nie meine Freunde, ich hatte schon immer eine gewisse Angst oder eher einen Ekel vor ihnen.
Nun gut, Fakt war, dass ich ganz alleine in dem Haus war, niemand anwesend, der hätte zur Hilfe eilen und mich (oder dieser Spinne) retten können. 😉
Klar war auch, so lange das Tier in meinem Zimmer sitzt, werde ich keine ruhige Minute haben, gar beruhigt schlafen können – nachher krabbelt das Viech noch in mein Bett, oder sitz am Kopfende, wenn ich morgens aufwache – der Herzinfarkt war nahe!
Ob diese überdimensional groß erscheinende Spinne „gefährlich“ oder giftig hätte sein können, darüber hatte ich keinen Gedanken verschwendet.

Eines stand fest, es muss gehandelt werde: ICH muss handeln.
Ich hatte mich mit einer großen Tupperschüssel und einem Lineal bewaffnet und die Spinne erstmal lange Zeit nur beobachtet und intensiv angeschaut.
Dann ein wenig gestichelt, dass sie sich an eine freie Stelle bewegen würde, so dass ich die Tupperschale über sie stülpen könnte um sie dann hinaus zu tragen – sie tot schlagen hätte ich dann doch nicht übers Herz gebrach, dafür war sie mir auch zu groß.

Die interessante Erfahrung war diejenige, je länger ich die Spinne anschaute, sie ein wenig zur Bewegung animiert und durchs Zimmer jagte, desto geringer wurde meine Angst und der Ekel vor ihr.
Ich hab ihr Wesen gespürt, das LEBEWESEN in diesem Spinnenkörper und dass es mindestens genauso viel Angst hatte wie ich. Es war keine ekelige,gruslige Spinne mehr, sondern ein einfaches Lebewesen, wie ich auch…
Bis ich das Tierle dann soweit hatte, dass ich es wirklich einfangen konnte, verging bestimmt eine Stunde mit puls 200 und Adrenalin bis zur vor der Überdosis.

Mich mit diesem „Schrecken“ zu konfrontieren und eine, für beide Seiten würdige Lösung gefunden zu haben, hatte mir eine neue Erfahrung eröffnet – ein Gefühl von Freiheit und Erleichterung.
Ich hab einige solcher Erfahrungen in Indien gemacht, in denen die Konfrontation mit der Angst mir neue Türen geöffnet haben.

Meistens haben wir doch Angst vor dem „Unbekannten“. Wenn ich mich damit beschäftige, es anschaue, kann es mir vertraut werden und somit verliert es auch die Bedrohung mir gegenüber.
Angst sehe ich wie eine verchlossene Tür, ich muss sie nur aufmachen, das Licht anschalten und hinschauen, was ich sehen kann. Dann kann ich immer noch entscheiden, ob ich diesen neuen Raum betreten möchte oder nicht …eigentlich gar nicht so schlimm, oder?! 😉

Herzliche Grüße und viel Mut der Angst ins Auge zu blicken 😉
Eure Sabine

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